Beratung und Coaching für Mensch und Hund
Menü

Lernverhalten bei Hunden

Wie Hunde lernen

Lernen durch Verknüpfen 

Hunde lernen durch Verknüpfung: Dabei werden zwei Reize miteinander verknüpft. Dies geschieht, wenn die Reize aus der Perspektive des Hundes in unmittelbarem Zusammenhang miteinander stehen und entweder als angenehm oder als unangenehm empfunden werden. In seltenen Fällen genügt ein einmaliges Zusammenfallen zweier Reize, insbesondere dann, wenn es sich um sehr starke Reize handelt. Meist bedarf es aber einiger Wiederholungen, bis der Hund eine Verknüpfung hergestellt hat. Das Verknüpfungslernen machen wir uns gezielt in der Hundeausbildung zunutze. 

 

Mehrere Reize auf einmal

Treten mehrere Reize gleichzeitig auf, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Hund sucht sich einen heraus, auf den er in Zukunft achtet, während er die anderen ignoriert, oder der Hund denkt, dass nur die Kombination dieser Reize das darauffolgende Ereignis ankündigt. Im praktischen Training tritt dies oft bei einer Kombination von Sicht- mit Hörzeichen auf. Hunde sind auf die Körpersprache fixiert. Es ist daher einfacher, Hunde auf Sichtzeichen zu trainieren. Soll der Hund auch auf die Signalworte reagieren, so sollten wir, wenn die Übung auf Sichtzeichen schon gut klappt, das Wort kurz davor sagen und das Sichtzeichen immer mehr abbauen. Dadurch verliert das Sichtzeichen an Bedeutung, während der Reiz des Signalwortes stärker in den Vordergrund tritt. 

 

Lernen durch Verstärkung

Hunde lernen durch Erfolg und Misserfolg. Spontan auftretendes Verhalten wird dann häufiger oder seltener, wenn der Hund lernt, was darauffolgt und dies verbindet. Erfolg (Belohnung und Aufmerksamkeit) verstärkt das Verhalten Ihres Hundes. Misserfolg (Ignorieren des Hundes, Erfolgsverhinderung) verringert das Verhalten. Zum Beispiel bringt ruhiges Verhalten beim Begrüßen dem Hund Leckerlis und Aufmerksamkeit (Erfolg). Springt der Hund die Leute jedoch an, veranlasst das die Menschen dazu, sich abzuwenden (Misserfolg). Daher ist es bei einem solchen Training wichtig, auch die anderen Menschen einzubinden und um ihre Mithilfe zu bitten.

 

Richtig belohnen 

Seien Sie einfallsreich und belohnen Sie auch durch verschiedene Dinge, die Ihrem Hund Freude machen (verschiedene Leckerbissen, Freilauf, ins Wasser lassen, Streicheln, Kontakt zu anderen Hunden etc.). Denken Sie dabei daran: Der Hund sieht sein Verhalten immer dann als erfolgreich an, wenn er dadurch zu etwas kommt, was er gerade haben möchte. Streicheln kann in einer Situation vom Hund als Belohnung empfunden werden und in einer anderen nicht. Zwischen gezeigtem Verhalten und Belohnung sollte maximal eine Sekunde vergehen, damit der Hund beides miteinander verknüpft!

Umgang mit unerwünschtem Verhalten

Es gibt zwei Methoden, die den Hund dazu bringen, ein Verhalten seltener zu zeigen: 

a) Er hat mit seinem Verhalten keinen Erfolg. Das bedeutet, dass er zum Beispiel die Aufmerksamkeit (Vorsicht: auch Schimpfen ist eine Form der Aufmerksamkeit!) oder das Leckerli nicht bekommt. Alles, was dem Hund den gewünschten Erfolg nicht bringt, lässt er im Laufe der Zeit lieber bleiben.

b) Der Hund beginnt ein unerwünschtes Verhalten und sofort wird ihm etwas Angenehmes weggenommen (z.B. Aufmerksamkeit, Spielzeug). Während die Bestärkung eines erwünschten Verhaltens den Hund ausreichend motivieren muss, muss der Entzug von etwas Angenehmen den Hund ausreichend demotivieren, damit das unerwünschte Verhalten abnimmt.

Dies muss zu Beginn des unerwünschten Verhaltens erfolgen. 

 Alle Arten von Bestrafung, bei denen der Hund physisch angegangen oder eingeschüchtert wird, sind aus Tierwohl-Sicht und auch im Sinne einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Hund und Halterin/Halter absolut unzulässig! 

Viele im Hundetraining lange Zeit übliche Bestrafungsformen wie Stachelhalsbänder, Schlagen oder Treten sind inzwischen verboten. Aber auch vermeintlich „mildere“ Formen wie Anschreien oder der Leinenruck können zu erheblichen Problemen führen. Diese können physische und psychische Beeinträchtigungen zur Folge haben. Auch schädigt eine solche Strafe das Vertrauen zu Ihnen sowie das Selbstvertrauen des Hundes massiv. Weitere Probleme können entstehen, wenn der Hund die Strafe nicht mit dem unerwünschten Verhalten verbindet, sondern mit einer bestimmten Person oder einer bestimmten Situation, auf die er in Zukunft ängstlich oder aggressiv reagiert (z.B. kann ein Leinenruck, während der Hund ein Kind sieht, dazu führen, dass er Aggressionen gegen Kinder entwickelt, weil er das unangenehme Gefühl des Leinenrucks mit dem Kind verbindet und nicht als Signal versteht, nicht an der Leine zu ziehen).

Konfrontationsmethoden erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Hund aggressiv gegen Menschen verhält, weil er in die Enge getrieben, fixiert und bedroht wird und sich daher früher oder später dagegen wehrt, um sich selbst zu verteidigen. Strafe und körperlicher Zwang sollten bei einem Hund niemals angewendet werden.

Wie Sie Ihrem Hund etwas beibringen

 

Allgemeine Regeln

Seien Sie beim Üben geduldig! Pausen sind wichtig!

Üben Sie in mehreren kurzen Einheiten (5–10 Minuten) über den Tag verteilt. In den Pausen darf der Hund ruhig spazieren gehen, schnuppern, herumliegen, -stehen oder -sitzen. Verlangen Sie in der Pause keine bereits gelernten Signale. Zerlegen Sie die Übungen in so kleine Schritte, dass der Hund schnell Erfolgserlebnisse sammeln kann!

 

Fangen Sie neue Übungen in ruhiger Umgebung (am besten zu Hause) an, bevor Sie schrittweise die Ablenkung erhöhen. Gerade die ersten Ausführungen einer neuen Übung sind sehr einprägsam und wichtig für den restlichen Übungsverlauf. Sie können den Hund die ersten Male locken, oder Sie warten, bis er das gewünschte Verhalten von selbst zeigt und bestätigen dieses sogleich.

Zwingen Sie Ihren Hund nicht zu einem bestimmten Verhalten, sondern hinterfragen Sie, wieso er etwas nicht tun möchte (z.B. weicht er vielleicht nach hinten weg statt sich zu setzen, weil Sie sich über ihn beugen und das für den Hund bedrohlich wirkt). 

Hat der Hund einmal verstanden, worum es geht, setzen Sie ein Signal vor die Ausführung und bestärken danach wie gewohnt. Bedenken Sie, dass Sichtzeichen für den Hund einfacher nachvollziehbar sind als Hörzeichen.

Klarheit ist enorm wichtig: Kein Signal sollte einem anderen ähnlich sein.

Ein Signal immer nur einmal geben! Führt der Hund es nicht aus, dann überdenken Sie das Training (gibt es z.B. zu viel Ablenkung oder wird zu schnell zu viel verlangt?). Kann der Hund die Übung auch unter Ablenkung bereits sehr gut (etwa 90 % richtige Ausführungen), können Sie beginnen, die anfänglich immer gegebenen Belohnungen zu reduzieren, indem Sie den Hund nur noch jedes zweite, dann jedes dritte Mal belohnen, und letztlich die Belohnung variabel geben.  

Seien Sie einfallsreich und belohnen Sie auch durch andere Dinge, die Ihrem Hund Spaß machen (Freilauf, ins Wasser lassen, Kontakt zu anderen Hunden,…).

Der Hund wird Ihre Signale zuverlässig befolgen – allerdings liegt es an Ihnen, ihn nicht in Konflikte zu bringen. Wenn er einem vorbeilaufenden Hund begegnet, kann er vielleicht nicht gleich auf Ihr Signal reagieren, weil die Höflichkeitsregeln unter Hunden gerade langsame Bewegungen oder Schnüffeln erfordern.

Überlegen Sie sich also immer, wann Sie Ihrem Hund welches Signal geben.

Quelle: Skript Wiener Sachkundenachweis

 

Die Arbeit über positive Verstärkung ist mehr eine Arbeit an sich selber als am Tier.

Vivian Theby